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Wir brauchen eine Governance der Mobilität

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dellai, Sie haben mit 1. Jänner 2005 den Vorsitz der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn übernommen. Was erwarten Sie sich persönlich von dieser Aufgabe?

  Wir brauchen eine Governance der Mobilität
     


Lorenzo Dellai

Landeshauptmann der Provinz Trient














































Der Ausbau der Eisenbahnachse Brenner ist eines der wesentlichen strategischen Ziele des Entwicklungsprogramms der Provinz Trient.

 
 

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dellai, Sie haben mit 1. Jänner 2005 den Vorsitz der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn übernommen.
Was erwarten Sie sich persönlich von dieser Aufgabe?

Ich bin der Meinung, dass die Präsidentschaft der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn eine ausgezeichnete Möglichkeit ist, die Zusammenarbeit, die Kenntnisse über und die Synergien zwischen den Gebieten und der Bevölkerung, die im sensiblen Brennerkorridor lebt, zu vertiefen und zu festigen, so dass das Zugehörigkeitsgefühl bezogen auf ein größeres Gebiet mit gemeinsamen Interessen und Entwicklungsabsichten und die Öffnung nach außen wächst.

Die Aktionsgemeinschaft ist, begleitet von anderen interregionalen und grenzüberschreitenden Kooperationen an denen sich die Region Trient seit jeher mit Überzeugung beteiligt, ein wichtiges Instrument, um unsere Präsenz auf der neuen europäischen Bühne zu verstärken und unseren gemeinsamen Interessen konkrete Züge zu geben.

Welche Arbeitsschwerpunkte werden die Präsidentschaft des Trentino in der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn prägen?

Sicherlich ist ein Schwerpunkt meiner Präsidentschaft die Erstellung und Genehmigung der Einreichplanung für den Brennertunnel mit der Festlegung und Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen nördlich und südlich vom Brenner, ohne welche der Basistunnel nur den Selbstzweck erfüllen würde und damit unnütz und schädlich für die Umwelt und für die Lebensqualität unserer Gemeinden wäre. Deshalb erscheint die Erstellung und Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen den nationalen Regierungen und den Vertretern der Länder zur Definition der Governance der Mobilität entlang des sensiblen Brennerkorridors von enormer Wichtigkeit.

 Der Brenner Basistunnel und die derzeit in Planung und Bau befindlichen Abschnitte der Zulauf- strecken sind eigentlich von Trient noch weit entfernt. Welche Bedeutung hat der Ausbau der Eisenbahnachse Brenner für die Bevölkerung der autonomen Provinz Trient heute?

Der Ausbau der Eisenbahnachse Brenner ist eines der wesentlichen strategischen Ziele des Entwicklungsprogramms der Provinz. Ein Blick auf die Geografie der betroffenen Gebiete genügt, um zu verstehen, dass jede Infrastrukturmaßnahme am Brenner die gleichen positiven und negativen Auswirkungen entlang des gesamten Korridors nördlich und südlich des Passes unabhängig von der Entfernung ausübt.
Noch klarer ausgedrückt: Wenn am Brenner die Rahmenbedingungen für die Durchfahrt von zusätzlich 200 Güterzügen am Tag geschaffen werden, was ca. 4000 LKWs weniger auf der Straße gleichkommen würde, ist die ökologische, soziale und wirtschaftliche Bilanz sowohl in Innsbruck als auch in Bozen und Trient die gleiche, weil die zusätzlichen Züge und die reduzierte Anzahl der LKWs alle drei Städte betreffen. Aus diesem Grund ist für die Bevölkerung im Trentino entlang des Eisacktals jede politische und infrastrukturelle Maßnahme, die der Verbesserung der eigenen sozioökologischen Lebensqualität dient, von größter Bedeutung.

Die Verlagerung eines wesentlichen Anteils des Verkehrs von der Autobahn auf die neue Eisenbahn ist vielleicht die bedeutendste Maßnahme.
 

    
  


Ein besonders wichtiges Thema für den Bahnausbau auf der Achse Verona – München ist die Frage der „Querfinanzierung“.
Wo und wie kann sich die Aktionsgemeinschaft Brennerbahn in diesem Zusammenhang mit ihrem „Lobbying“ einbringen?


Die Hauptaufgabe der Aktionsgemeinschaft ist gerade das Lobbying zur Sensibilisierung der europäischen Politik, der Regierungen und Länder, der Bevölkerung und der Wirtschaft für die Verbesserung der Mobilität und des Umweltschutzes im weiten und sensiblen Brennerkorridor.
Schon seit geraumer Zeit hat die Provinz Trient auf allen institutionellen Ebenen die Schaffung einer übergeordneten „Korridorauthority“ vorgeschlagen, die befugt ist und die Aufgabe hat, alle Transportmittel im Personen- und Warenverkehr, alle Transportwege für Kommunikation und Energie zu harmonisieren und zu verwalten.

Damit würde eine Möglichkeit geschaffen, das heutige umwelt- und anrainerfeindliche Transitsystem entlang des Korridors umzuwandeln und zur Wertsteigerung sowie zur nachhaltigen Entwicklung und Nutzung möglicher Synergien einschließlich der Querfinanzierung beizutragen. Sollten alle Länder der Idee zustimmen und diese von der Aktionsgemeinschaft weiter getragen werden, könnten wir ein fortschrittliches und weitsichtiges Beispiel einer neuen und positiven Wechselbeziehung zwischen Mobilität und Umwelt sein.

Ein funktionierender Schienenverkehr ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur. Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht erforderlich, um aus der Strecke Verona – München ein „homogenes Gesamtverkehrssystem“ zu schaffen?

Nur durch eine Gesamtbetrachtung und durch die Schaffung einer neuen übernationalen Einrichtung, die alle verschiedenen Transportwege entlang des Brennerkorridors verwalten kann, wird es möglich sein, die Erfordernisse der Mobilität mit denen einer umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit zu vereinen. Ein erster Schritt in diese Richtung sollte die Errichtung einer neuen AG darstellen, an der der Staat und die betroffenen Regionen beteiligt sind. Diese wäre verantwortlich für die Planung und Realisierung des neuen Südzulaufs zum Brenner Basistunnel und für die Verwaltung des Güterverkehrs in enger Synergie mit der Autostrada del Brennero. Jenes gemeinsame Rechtssubjekt könnte auch die Kanäle der Kommunikation und Energie verwalten.

     
 
    
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