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"transfer" 02|2009 – Fernverkehr über den Brenner

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Auf dem Brenner Basistunnel (BBT) ruhen große Hoffnungen nicht nur für den Güter-, sondern auch für den Personenfernverkehr. Hochgeschwindigkeitszüge im Stundentakt sollen den Alpenhauptkamm mit 250 km/h unterqueren.

Angesichts dieser Vision darf man nicht übersehen, dass sich das Fernverkehrsangebot über den Brenner in den letzten vier Jahren sehr unerfreulich entwickelt hat.

Die Verschlechterungen betrafen zunächst den Nachtverkehr, der unter der zunehmenden Konkurrenz von Billigflugangeboten leidet. Im Jahr 2005 gab es noch ein umfangreiches Angebot: ein täglicher Zug verkehrte von München über Rom bis Neapel, ein weiterer sorgte für gute Nachtverbindungen nach Florenz und Venedig. In der Sommersaison fuhr ein drittes Zugpaar entlang der Adriaküste bis Pescara.

Im Jahr 2006 fuhr der Adria-Zug nur noch bis Ancona, seit 2007 wird er gar nicht mehr angeboten. Ende 2007 wurden die beiden verbliebenen Verbindungen zu einem Zug nach Rom und Venedig zusammengelegt, Neapel wird seitdem nicht mehr angefahren. Ein schwacher Trost: Der übriggebliebene Zug verkehrt mit passablem deutschen Wagenmaterial und hoher Pünktlichkeit.

Systematische Ausdünnung

Mitte 2008 begannen dann die Reduzierungen im Tagesverkehr. Bis dahin hatte es einen traditionellen 2-Stunden-Takt von München nach Verona mit 6 EuroCity-Zugpaaren gegeben, von denen je eines nach Mailand, Venedig und Rom durchgebunden war.

Auf Druck der Italienischen Staatsbahnen wurde das Zugpaar nach Rom seit Juni 2008 auf den Laufweg nach Rimini eingekürzt; seitdem gibt es tagsüber keine Direktverbindung mehr von München in die Toskana und die italienische Hauptstadt. Fast zeitgleich wurden die italienischen Züge durch Streichung der Speisewagen zum InterCity abgewertet.
Zum Dezember 2008 folgten weitere Kürzungen. Ein Zugpaar endet seitdem ohne brauchbare Anschlüsse in Bozen, eines erreicht Italien gar nicht mehr und verkehrt nur noch zwischen München und Innsbruck. Seitdem ist auch die letzte Möglichkeit entfallen, tagsüber das Fahrrad in einem Direktzug nach Italien mitzunehmen.

Wird 2010 die Talsohle durchschritten?

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 sind weitere Verschlechterungen angekündigt, es gibt aber auch Anlass zur Hoffnung: Zwar sollen die Direktverbindung nach Venedig entfallen und der Rimini-Zug bereits in Bologna enden. Allerdings haben die Deutsche Bahn und die Österreichischen Bundesbahnen – nachdem der Brennerverkehr viele Jahre unter der Qualität der eingesetzten italienischen Züge litt – die Zusammenarbeit mit Trenitalia aufgekündigt.
Schon ab Dezember 2009 möchte man die EUweite Liberalisierung des Fernverkehrs nutzen und in Zusammenarbeit mit der italienischen Privatbahn Ferrovie Nord Milano selbst fünf Zugpaare anbieten. Ein Jahr später kann man sich vorstellen, dass die österreichischen Railjet-Züge über den Brenner fahren.





Ein ehrgeiziges Ziel, für das den beteiligten Bahnen Mut und Durchhaltewillen zu wünschen ist. Schließlich müssen noch die Fahrplantrassen bewilligt werden, und vor einem Einsatz des Railjet steht noch das italienische Zulassungsverfahren.

Auf mittlere Sicht sind auch die Möglichkeiten zu berücksichtigen, die sukzessive durch die Infrastrukturverbesserungen im Nord- und Südzulauf auf den BBT realisiert werden. Zu nennen sind hier der jüngst abgeschlossene Streckenausbau zwischen Verona und Bologna und die Schnellfahrstrecke Bologna – Florenz, die im Dezember 2009 in Betrieb gehen soll.

  
  


Der weit gediehene Ausbau im Tiroler Unterinntal wird ab 2012 ein Übriges zur Attraktivitätssteigerung beitragen. Langfristig sollte über eine Aufteilung des Fernverkehrsangebots in eine schnelle und eine langsamere Linie nachgedacht werden. Letztere könnte ähnlich der heutigen Züge von München nach Verona verkehren und dabei weiterhin die touristischen Halte in beiden Teilen Tirols bedienen.
Die schnellere Linie könnte durch die Beschränkung auf wenige Halte (München, Innsbruck, Bozen, Trient, Verona) zusätzlich beschleunigt werden und in Verona zügig das italienische Hochgeschwindigkeitsnetz mit interessanten Zielen in Mittelitalien erreichen. Hier wären zumindest ein Mal täglich umsteigefreie Verbindungen Richtung Mailand, Venedig und Rom sowie an die Adria- und Rivieraküste sinnvoll.

Angesichts des zweifellos bestehenden Fahrgastpotenzials ist zu hoffen, dass die Talsohle beim Fernverkehrsangebot über den Brenner im nächsten Jahr durchschritten wird. Dann fällt es auch leichter zu glauben, dass einst
bei Eröffnung des BBT wirklich ein Stundentakt angeboten wird.

   
   
   
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